Das erste Trimester – Schwangerschaftswoche 1-12

Der Weg der Eizelle zum Embryo

Kommt es zur Befruchtung der reifen Eizelle durch ein Spermium, so wandert diese befruchtete Eizelle in Richtung Gebärmutter. Die befruchtete Eizelle beginnt nun sich zu teilen und wird somit zur so genannten Blastozyste. Nach etwa 5 bis 7 Tagen erreicht die Blastozyste die Gebärmutter und kann sich dort einnisten. Die Einnistung wird als Nidation bezeichnet. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die Schwangerschaft. Nach der Befruchtung der Eizelle wird der Gelbkörper nicht abgebaut, sondern sorgt durch die Produktion von Progesteron und Östrogen für die Aufrechterhaltung der Schwangerschaft. Neben Progesteron und Östrogen ist dafür auch das humane Choriongonadotropin (hCG) notwendig. Dieses wird mit Beginn der Schwangerschaft gebildet. Das Hormon hCG kann bereits zu Beginn einer Schwangerschaft im Urin nachgewiesen werden. Deshalb wird es zur Feststellung einer Schwangerschaft mittels Teststreifen getestet. Einen weiteren Teil der Blastozyste stellt der Embryoblast dar, aus dem sich dann im weiteren Verlauf der Embryo entwickeln wird. Aus den Trophoblasten bildet sich zusammen mit der äußeren Schicht der Gebärmutterschleimhaut im Laufe der Schwangerschaft der Mutterkuchen (Plazenta). Die Plazenta übernimmt nicht nur die Bildung des hCG, sondern auch von Östrogenen und Progesteron, sodass die Schwangerschaft vom Gelbkörper unabhängig wird.

Die befruchtete Eizelle hat sich nun fest in der Gebärmutterschleimhaut eingenistet. Man spricht von einer „erfolgreichen Empfängnis“. Manche Frauen können tatsächlich spüren, wenn sich die befruchtete Eizelle fest in der Gebärmutterschleimhaut verankert. Dabei können winzige Gefäße verletzt werden und eine sogenannte Einnistungsblutung auslösen. Oftmals wird diese leichte Blutung falsch als Regelblutung eingeschätzt und sorgt gerade bei einem starken Kinderwunsch für Verwirrung. Abhilfe schafft nun ein Schwangerschaftstest mittels Urintest zu Hause oder via Bluttest beim Gynäkologen.

{Schwanger oder nicht schwanger? Hier einige Erläuterungen zu verschiedenen Testmethoden.}

{Die Berechnung der Schwangerschaftswochen erkläre ich euch hier.}

Schwangerschaftswoche (SSW) 5 (4+0 – 4+6)

Der Embryo ist nun 2 Wochen alt und ca. 0,5 – 1 mm groß. Er ähnelt einer ovalen Scheibe oder wie oft beschrieben einer fliegenden Untertasse. Die Zellen aus denen der Embryo besteht, beginnen sich zu spezialisieren. Sie bilden drei Keimblätter (Ektoderm, Mesoderm, Entoderm), aus denen sich die verschiedenen Organe entwickeln. Das äußere Keimblatt (Ektoderm) bildet die Zellen für die Entwicklung des Nervensystems, der Sinnesorgane und der Haut. Aus dem mittleren Keimblatt (Mesoderm) entstehen das Herz, die Blutgefäße und das Bindegewebe. Die inneren Organe und die Geschlechtsorgane werden aus dem inneren Keimblatt (Entoderm) gebildet.  Aus dem vorderen Teil der Keimscheibe entwickelt sich der Kopf und aus dem hinteren Teil entsteht der übrige Körper. Das Herz hat zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu schlagen begonnen. Plazenta, Fruchtwasserhöhle und Dottersack entwickeln sich rasant weiter und bilden beste Voraussetzungen, um den Embryo zu schützen und zu versorgen.

Im Körper der Frau werden nun durch die Plazenta verstärkt Hormone gebildet. Diese können gerade zu Beginn einer Schwangerschaft zu Unwohlsein führen. Das Hormon Progesteron verändert viele Prozesse im Körper. Viele Frauen fühlen sich daher müde und entkräftet. In Einzelfällen kann es jetzt schon zu gelegentlicher Übelkeit kommen. Auch die Brüste der Frau beginnen sich zu verändern, was manche Schwangere als gelegentliches Ziehen und Spannen wahrnehmen kann.

{Zum täglichen Energiebedarf und zur Ernährung in der Schwangerschaft, informiere ich gerne hier.}

SSW 6 (5+0 – 5+6)

Der Embryo ist nun als eine winzige gekrümmte Gestalt, mit einer am oberen Ende Verdickung als Kopf und einem gebeugtem Rücken der in einer Art Schwanz endet,  zu erkennen. In dieser Woche bildet sich vor allem das Herz, damit für die Bildung weiterer Organe eine ausreichende Versorgung zur Verfügung steht.

Im inneren der Schwangeren beginnt nun langsam die Gebärmutter zu wachsen. Die typischen Schwangerschaftsbeschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Schwindel setzten manchen Frauen stark zu. Schuld ist die Hormonumstellung, welche gerade in den ersten Wochen der Schwangerschaft recht heftig ausfallen kann.

{Sanfte und sehr effektive Maßnahmen gegen Schwangerschaftsübelkeit und -erbrechen habe ich hier für euch notiert.}

Zum Schutz vor Krankheitserregern verschließt sich der Muttermund mit einem Schleimpfropf. Auch die Vagina wird dank der Hormone weicher und dehnbarer. Nicht nur physische Veränderungen sind wahrnehmbar auch die Gefühle können jetzt Achterbahn fahren. Dies kann zu Verunsicherungen und Verminderung des Selbstbewusstseins führen. Keine Angst, das ist ganz normal und geht wieder vorüber.

 

SSW 7 (6+0 – 6+6)

In dieser Woche wächst vor allem der Kopf des ca. 2,5 – 7 mm kleinen Embryos. Auch die Entwicklung des Gehirns beginnt allmählich, das Rückenmark schließt sich vollständig und die Sinnesorgane werden jetzt angelegt. Äußerlich ähnelt das Baby nun ein wenig einer Kaulquappe, da am Rücken noch ein kleiner Schwanz zu sehen ist. Dieses evolutionäre Überbleibsel bildet sich aber komplett zurück.

Stimmungsschwankungen, verstärkte Müdigkeit am Tag, Schlafstörungen nachts und Schwindel können nun der Schwangeren zu schaffen machen. Kleine Ruhephasen zwischendurch und Entsannungsübungen können diese Symptome lindern und für ein besseres Wohlbefinden sorgen.

{Tipps gegen Müdigkeit und Kreislaufprobleme findet ihr hier.}

SSW 8 (7+0 – 7+6)
Der Embryo misst nun zwischen 9 – 16 mm und entwickelt sich weiterhin rasant. In dieser Woche lassen sich bereits Kopf und Herz getrennt auf dem Ultraschallgerät erkennen. Die Differenzierung der Arme und Beine setzt sich rasch fort und langsam beginnt die Verknorpelung der zukünftigen Knochen.
Die Größe Ihrer Gebärmutter hat sich seit Beginn der Schwangerschaft bereits verdoppelt. Es kann sehr gut sein, dass die Schwangere nun vermehrt zur Toilette muss. Auch die Mutterbänder dehnen sich etwas und können leichte, ziehende Schmerzen verursachen. Starke Emotionen und Gefühlsschwankungen stellen gerade in den ersten Schwangerschaftswochen das Seelenleben der schwangeren Frau auf den Kopf. Die Launenhaftigkeit wird nun meist noch durch Übelkeit und der Hormonumstellung begünstigt. Ganze Heultage, ein schlechtes Gewissen oder Auf ein Himmelhoch jauchzend folgt ein schnelles zu Tode betrübt können sehr anstrengend sein. Dann hilft Reden am besten oder ein Entspannungsbad bei 37ºC warmen Wasser hebt die Stimmung und pflegt zu gleich. Atemnot und Erschöpfung können nun auch vermehrt auftreten. Aber keine Sorge, wie alles andere wird auch der Sauerstoff der Mutter mit dem Baby geteilt.  Ein kleiner Spaziergang an der frischen Luft bringt genügend Sauerstoff und tut dem ganzen Körper gut. Leidet die werdende Mutter jedoch an Asthma, ist der Gang zum Pulmologen unerlässlich.
SSW9 (8+0 – 8+6)
Mit dieser  Schwangerschaftswoche hat das Baby die Embryonalperiode fast abgeschlossen: an Armen und Beinen entstehen Handgelenke, Ellenbogen und Knie. Auch einzelne Finger und Zehen sind inzwischen deutlicher zu erkennen. Die Nasenöffnungen, äußeren Ohren, und die Oberlippe sind nun deutlich zu erkennen. Jetzt sind alle Organsysteme angelegt und funktionieren zum Teil bereits. Der Embryo misst inzwischen 16 – 24 mm vom Scheitel bis zum Steißbein (gesprochen wird hierbei von der s.g. Scheitel-Steiß-Länge, kurz SSL).
Für die Schwnagere kann nun die „Saure-Gurken-Zeit“ beginnen, d.h. Geruchs- und Geschmacksveränderungen und auch -empfindlichkeiten nehmen zu. Einige Frauen bemerken bereits eine Veränderung des Bauches, zumindest im inneren des Bauches macht sich das kräftige Wachstum der Gebärmutter mit rund 10 cm deutlich. Zahnpflege wird jetzt sehr wichtig, denn die Hormonveränderung und das Schwangerschaftshormon Progesteron sorgen für Zahnfleischbluten und die damit verbundenen Entzündungen.
SSW 10 (9+0 – 9+6)
 
Die zehnte Woche bildet die letzte Phase der Embryonalperiode. Die Schwimmhäute zwischen den Fingern und Zehen verschwinden. Dadurch werden sie voneinander getrennt und können in die Länge wachsen. Der Kopf hat sich aufgerichtet und ist über den Hals mit dem Rest des Rumpfes verbunden. Auch das Gesicht ist nun gut entwickelt: Lippen und Nase geben dem Embryo nun ein menschliches aussehen.  Deutlich zu erkennen und zu unterscheiden sind Knie, Ellenbogen, Finger und Zehen. In dieser Woche werden die ersten Bewegungen von Armen und Beinen des ca. 25 – 32 mm großen Embryos ausgeführt. Zum Ende der zehnten Woche vollzieht der Embryo einen wichtigen Schritt: aus dem Embryo wird nun ein Fötus und die Embryonalphase ist endgültig abgeschlossen.
Zu den sichtbaren Anzeichen einer Schwangerschaft können nun Hautveränderungen gehören, welche mit dem erhöhten Östrogenspiegel einhergehen. Um die zehnte Schwangerschaftswoche herum erfolgt die erste von drei großen Ultraschalluntersuchungen beim Frauenarzt. Der Arzt kann hierbei die genaue Scheitel-Steiß-Länge (SSL) des Fötus bestimmen und gegebenenfalls den Geburtstermin anpassen. Auch eine Mehrlingsschwangerschaft kann schon erkannt werden.
SSW 11 (10+0 – 10+6)
Der Fötus ist bereits zwischen 34 – 41 mm groß und nimmt immer mehr die menschliche Gestalt an: Die transparente Haut wird dicker, Haarfolikel werden gebildet und an Fingern und Zehen beginnen langsam Nägel zu wachsen. Das Herz des Fötus ist nun in die Brust gerückt. Beim männlichen Fötus wird in dieser Woche der Penis sichtbar. Die weiblichen Geschlechtsorgane sind im inneren bereits angelegt. Das Geschlecht ist aber noch nicht bestimmbar.

Das Blutvolumen der werdenden Mutter steigt und viele Schwangere sind deshalb auch durstiger als sonst oder haben besonders viel Speichel im Mund. Aber auch hier besteht kein Grund zur Sorge, all dies ist normal.  Der Bauch wächst und die weiche Gebärmutter, in der das Baby sicher in der Fruchtblase schwimmt, ist nun so groß, dass sie das gesamte Becken ausfüllt. Manchmal wirkt sich eine Schwangerschaft auf die Verdauung aus und kann Verstopfungen hervorrufen, die bis zur Geburt bestehen bleiben können. Die während der Schwangerschaft vorhandenen Hormone Östrogen und Progesteron wirken auf Muskeln entspannend, so auch auf die Darmmuskulatur. Abhilfe schaffen Bewegung, eine allaststoffreiche Ernährung und viel trinken. Quell- und Füllstoffe wie Flohsamenschalen, Weizenkleie oder Leinsamen nur nach Rücksprache mit dem Gynäkologen einzunehmen. Mehr über das Thema „Verdauungsprobleme in der Schwangerschaft – Tipps und Tricks“ berichte ich hier.

SSW 12 (11+0 – 11+6)

Das Baby ist nun zwischen 43 und 51 mm groß. Die Entwicklung des Gehirns geht rasant weiter, Hormone werden produziert und Nervenzellen vermehren sich unaufhaltsam. In dieser Zeit werden auch die Zähne angelegt. Beim weiblichen Fötus wird die Entwicklung der Genitalien sichtbar. Bei Jungen wie Mädchen beginnt die Schilddrüse eigenständig Hormone zu bilden. Das Baby wird nun immer beweglicher, es kann nun schon die Fäuste öffnen und schließen, die Bewegungen der Augenlider oder der Lippen sind erkennbar, es kann trinken und kann perfekt gähnen.

Die ersten anstrengenden Wochen sind nun fast geschafft. Übelkeit, Müdigkeit und Stimmungsschwankungen nehmen ab. Nun beginnt die Zeit der sichtbaren äußerlichen Veränderungen. Die Gebärmutter (Uterus) wird schwerer und beginnt sich über das Schambein zu wölben. Der Bauch und die Brüste beginnen nun verstärkt zu wachsen.